Anziehungskräfte
Das Leben hat mich gelehrt, dass keine Freundschaft ewig währt und dass so eine Verbindung spätestens dann zuende ist, wenn der eine dem Anderen vorwirft, sich nicht mehr zu melden. Freundschaften beginnen mit einem oder mehreren Treffen, man kommt sich näher, findet sich sympathisch und dann folgen ein oder mehrere Jahre großer Nähe bis zum unwiederbringlichen Freundschaftsende (die meistens mit Sex oder Distanz zu tun haben). Das ist Teil der Lebensrealität und ich kann es verstehen, wieviel Zeit das Berufsleben frisst, welche Kraft eine Beziehung fordert, wie kurz Wochen sein können und wie sehr das eine Freundschaft belasten kann.
Doch dann gibt es auch diese Menschen, die jenseits jeglicher Regel in Dein Leben schleudern, Dir so nahe kommen, dass es fast weh tut und dann – sind sie auf einmal wieder weg und das reißt ein Loch, das noch Jahre lang schmerzen wird. Man spricht da gerne von Seelenverwandtschaft, vom gegenseitigen Erkennen. Oder verkörpern diese Menschen einfach nur die eigene Sehnsucht danach, in einer Tiefe wahrgenommen zu werden, die normale Freundschaften manchmal gar nicht ausloten können? Und folgt daraus, dass man solche Begegnungen forciert und damit überstrapaziert, was folgerichtig dann zum Desaster führen muss? Ist Seelenverwandtschaft Projektion?